Wie würde sich das anfühlen, wenn nach vorne nichts mehr entsteht, das Jetzt nichts trägt und das, was vorbei ist, alles bestimmt? Und was würde passieren, wenn es einfach nicht so wie bisher weiterginge? Wenn die Angst plötzlich ziemlich überzeugend oder das graue Gefühl sehr groß werden würde?
Die Lage wäre dramatisch. So dramatisch, dass 16 junge Erwachsene die Oper einnehmen müssten. Die Oper als Arena für die Verhandlung von Widerständen oder gesellschaftlichen Umstürzen. Als Schauplatz der großen Gefühle und als Spielraum für existentielles gemeinsames Ertragen.
Eingehüllt in Decken ziehen die 16 Expert*innen für aktives Krisenmanagement sich dorthin zurück. Sie bilden einen Organismus, einen Körper, ein kollektives Ich und aktivieren gemeinsam die Selbstheilungskräfte einer Generation, während sie fortwährend mit dem Innen hadern und mit dem Außen verhandeln. Denn was wäre eine Oper ohne Hoffnung?
Wir freuen uns sehr, dass wir für die Vorstellungen des 5. & 6. Juni, sowie 11. & 12. Juli eine Live-Audiodeskription mit Bühnenbegehung und Tastführung anbieten können.
Peter Luttringer und Simon Kubat haben sich gemeinsam mit dem Produktionsteam damit auseinandergesetzt, die Aktionen auf der Bühne in Sprache zu übersetzen, sodass KLARKOMMEN durch die beschreibende Audiodeskription auch für wenig oder nicht-sehende Menschen erlebbar wird.
Anmeldung für Audiodeskription sowie Fragen zur Zugänglichkeit oder anderem gerne an ed.noitkudorpsuahnietskcab@aniluap
Termine
Mitwirkende
Team: Alicia Oetjens, Chloé Beillevaire, Cornelia Weisbarth, Cosima Rückold, Emma Sulz, Felix Horn, Felix Stark, Franziska Stulle, Heiko Giering, Isabel Ried, Isabelle v. Gatterburg, Jele Prönneke, Kathrin Frech, Kevin Carmine Borriello, Lena Schaal, Linus Frey, Lisa Fühl, Mara Feil, Merrit Narr, Moana Schleier, Nele Schiller, Nicki Liszta, Nora Fahrenholz, Paulina Mandl, Peter Luttringer, Ronja Jagdfeld, Simon Kubat, Siri Thiermann, Sophia Sadzakov und Steven Chotard.
Ausstattung in Kooperation mit und gestaltet durch studio RINGGRRRING (Nele Schiller & Kathrin Frech).
Fotos von Marina Buneta & Björn Klein
Trailer: Adrian Schmidt
Presse
„Es geht um das Lebensgefühl einer Generation, die mit vielerlei Ängsten umgehen muss. Klimakrise, politischer Rechtsruck, Künstliche Intelligenz, der Druck der sozialen Medien, Kriege, rasante Veränderungen: All dies beschäftigt junge Menschen, wenn sie an ihre Zukunft denken. Im schlimmsten Fall treibt es sie in eine Depression.“Sich selbst zu finden“, sagt Nicki Liszta, „ist heute schwieriger geworden, eine präzise Lebensplanung ist immer weniger möglich, und man versinkt schnell in seinen Ängsten.“ Deshalb wird im Stück der individuelle Rückzug ausgelebt und verhandelt, auch der Überforderung bietet „Klarkommen“ Raum.“
(Susanne Benda, Stuttgarter Zeitung Nr. 124, 2.6.2026)
„Wir würden Ihnen mitgeteilt haben, von welchen Dingen wir Abstand bräuchten.“ Mit Sätzen wie diesem verlassen die Spielenden den Boden der Realität, das Mögliche wird zum Spiegel des Wirklichen, und plötzlich ist das Stück, dessen Bestandteile – Texte, Bühne, Songs, Bewegungen – in acht Monaten harter Arbeit entstanden, dort angekommen, wo es von Anfang an hinwill: bei der Kunst. […]
Zögerlich haben die jungen Menschen auf der Bühne […] zu tanzen begonnen. Nicht mehr mit kopfzuckenden Zombie-Bewegungen wie zuvor, sondern frei und – ja: ohne Angst. „Ist hier der richtige Ort, um verletzlich zu sein? Sind wir uns sicher, dass wir hier sicher sind?“ Diese zuvor eingeworfenen Fragen stellen sich nicht mehr, und der Assoziationsraum von „Klarkommen“ gerinnt am Ende zu einer poetischen Utopie. Oper, so eine Mitspielerin, sei (und hier verwendet sie die vier Buchstaben des Gattungsnamens) ein „organischer persönlicher emotionaler Rückzugsraum“. Wow, da gewinnt obendrein noch das alte Genre aktuelle Brisanz. Bravi!“
(Susanne Benda, Stuttgarter Zeitung, 6.6.2026)
„Anstelle einer Handlung strebe man einen „gemeinsamen emotionalen Raum“ an, in dem auch die Rolle der Oper reflektiert wird. […] Humorvoll die Paraphrase von Alexander Kluges Formel des „Kraftwerks der Gefühle“ als „Maschine der Tränen“ und „Badewanne voller Emotionen“, herrlich dramatisch ausgespielt auch die drei „übertriebenen Bühnentode“ von Linus Frey. „Nee, ihr macht euch das zu einfach!“, protestiert Jele Prönneke gegen das Prinzip, „aus Schmerzen Kunst zu machen“ und setzt ihre Definition von Oper als „Organischer persönlicher emotionaler Rückzugsraum“ dagegen. Witzige Disruptionen sind an der Tagesordnung: In einem überdimensionalen Karton wird Pizza geliefert, ein ferngesteuerter Mini-Truck serviert Erfrischungsgetränke.
Musikalisch klingen im Bühnenmusik-Trio-Format, teilweise von elektronischen Einspielern unterstützt, Pussy Riot, Indie-Rock – als Singer-Songwriter eine echte Entdeckung: Bassist Felix Horn! -, ein Hauch Katie Melua mit Cornelia Weisbarths „Lonely“ und etwas Electro-Swing-Reggae in Isabel Rieds „Help, I should get up“ an. Tänzerischer Höhepunkt ist eine Bewegungschoreografie, in der das Ensemble wie eine Multiplikation aus ikonischen Arbeiten von Meredith Monk (etwa „Turtle Dreams“, 1983) zusammenwirkt, bevor der Chor zum Video eines Straßenmusikers am nahegelegenen Nordbahnhof in Coldplays „Fix You“ einstimmt und sich einkuschelt. Auch für die Generation Z gilt also noch:
Die Hoffnung der Utopie stirbt erst zuletzt.“
(Harry Schmidt, Ludwigsburger Kreiszeitung,
Partner
In Kooperation mit der Jungen Oper im Nord (JOiN Stuttgart). Gefördert durch die „Förderinitiative Kulturkessel des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft, ermöglicht durch Mercedes-Benz“. Unterstützt durch die Stadt Stuttgart, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden Württemberg und den Landesverband Freier Theater Baden Württemberg.